↓ Ich lese als Nächstes: ↓
   
  Impressum
Datenschutz

  Umweltfreundliche Angebote

Warum ich
keine Lesexemplare mehr annehme
 
 
  ↑ Zuletzt gelesen (ein Klick auf das Cover bringt euch zu meiner Rezension) ↑

Dienstag, 30. August 2016

"Für König und Vaterland - Der Wechselbalg" (Band #1) von Susanne Gerdom

Meine Wertung 4 von 5 Sternen
Titel Für König und Vaterland - Der Wechselbalg
Originaltitel ---
Autor(in) Susanne Gerdom 
Übersetzer(in) ---
Verlag* Drachenmond
Seitenzahl* 367
Erscheinungsdatum* 14. Dezember 2015
Genre Historische Fantasy
* bezieht sich auf die abgebildete Ausgabe des Buches
Das Buch auf der Seite des Verlags
Das Buch bei Amazon

"London im Jahr 1815 – England erfährt eine Atempause im Krieg gegen Napoleon, aber die englischen Vampire, Werwölfe und Elfen müssen sich immer noch gegen die Dämonenjäger des Vatikans zur Wehr setzen. Das »Liederliche Quartett«, eine Freundesgruppe tollkühner junger Adliger, steht im Dienste des Innenministers, um eine Verschwörung gegen das Königshaus aufzudecken.

Idris Hathaway, Marquess of Auden, der »Wechselbalg«, soll in eine Gruppe von Hochverrätern eingeschleust werden. Doch dann wird seine Mätresse ermordet und er als Mörder verdächtigt, während ihm selbst ein Attentäter auf den Fersen ist.


Wie nahe steht Idris der Verräter, nach dem das Quartett sucht? Und welches Geheimnis verbirgt die verruchte Lady Falconer? Idris gerät in Lebensgefahr, und nur die Elfen von London können ihn retten…"

(Klappentext)

Ich könnte vieles sagen über Susanne Gerdoms Bücher, aber die Worte "langweilig", "vorhersehbar", "Durchschnitt" oder "Klischee" würden dabei ganz sicher NICHT fallen. Tatsächlich ist das Allererste, was mir in den Sinn kommt, wie unglaublich originell, fantasievoll, intelligent geschrieben und einfallsreich ihre Romane immer sind. Egal ob Urban Fantasy, Steampunk oder historische Fantasy, sie drückt jedem Genre, jedem Thema und jedem mythologischen Wesen immer ihren ganz eigenen Stempel auf - und springt dabei auch schon mal locker-flockig über Genregrenzen.

"Für König und Vaterland" ist zum Beispiel eine wunderbare Mischung aus historischem Roman und Fantasy. Das Buch spielt im frühen 19. Jahrhunderts, und wer im Geschichtsunterricht ein bisschen aufgepasst hat, wird vieles wiederfinden. So spielen zum Beispiel historische Persönlichkeiten wie Napoleon oder Georg III. eine Rolle, und auch einige der politischen Konflikte gab es dementsprechend wirklich. Allerdings gibt es hier nicht nur Spannungen, Konflikte und diplomatische Beziehungen zwischen Nationen, sondern auch zwischen verschiedenen Wesen wie Vampiren, Werwölfen, Elfen oder Dämonen. (Übrigens sind die Vampire hier richtig, richtig gruselig... Und das nicht unbedingt, weil sie so böse sind, sondern weil ihr Schicksal eigentlich wirklich traurig ist.)

Ich muss aber zugeben, dass ich dieses Mal leichte Startschwierigkeiten mit dem Buch hatte - hauptsächlich wegen der Vielzahl an Charakteren, von denen die meisten auch noch mehrere Namen haben! So heißt der wichtigste Charakter dieses Bandes zum Beispiel mit vollem Namen und Titel "Idris Hathaway, Marquess von Auden" und wird dementsprechend mal "Idris", mal "Hathaway" und mal "Auden" genannt.

Es dauerte in meinen Augen auch ein bisschen, bis die Handlung so richtig in Fahrt kam. Erst nach etwa hundert Seiten hatte sie mich vollends gepackt, danach konnte ich das Buch dafür aber kaum noch weglegen! Zwei der Wendungen gegen Ende habe ich zwar kommen sehen (eine davon fand ich sogar ziemlich offensichtlich) -  es war für mich jedoch dennoch spannend zu verfolgen, wie die Charaktere darauf reagieren.

Apropos Charaktere: im Mittelpunkt der Geschichte stehen vier junge Adlige, die alle auf den ersten Blick wirken wie verwöhnte, dekadente Lebemänner, die außer Saufen, Weibern und Partys nichts im Kopf haben. In Wirklichkeit sind sie aber die besten Agenten des Innenministers! Und nicht nur das: so ganz "normal" sind sie alle nicht, aber da möchte ich gar nicht zu viel verraten. Sagen wir mal so: zwei davon betrachten sich aus verschiedenen Gründen selber als "Seelenlose" (was ich aber bezweifle), einer hat sich aus Versehen mit etwas Übernatürlichem angelegt und leidet jetzt unter drastischen Konsequenzen, und einer ist zwar genial, dabei aber so exzentrisch und eigentümlich, dass es schon mehrere Versuche seitens einer erbschleicherischen Tante gab, ihn als Wahnsinnigen in eine Irrenanstalt einzuweisen.

Ich fand sie alle sehr überzeugend und glaubhaft beschrieben, mit ganz eigenen Stärken, Schwächen und Marotten, es dauerte jedoch ein bisschen, bis sie mir auch sympathisch wurden... Denn die Ansichten der vier Männer über Frauen entspricht nun mal den Ansichten der damaligen Zeit, das kann einen als moderne Leserin schon mal befremden! Aber irgendwann sind mir die Herren des "Liederlichen Quartetts" dennoch richtig ans Herz gewachsen, und es gibt auch zwei interessante und auf ihre jeweilige Art starke Frauengestalten, die sich nicht einfach mit ihrem Schicksal abfinden. Nur war mir die schöne, intelligente, charmante und verruchte Lady Falconer manchmal ein bisschen ZU perfekt!

Ich zögere ein wenig damit, von einer Liebesgeschichte zu sprechen - zunächst ist es eher ein Fall von Lust als ein Fall von Liebe. Was aber eigentlich mal erfrischend ist, denn es ist jedenfalls realistischer als die typische Liebe auf den ersten Blick...

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir immer sehr gut. Sie schreibt locker und unterhaltsam, dabei aber nie platt oder abgedroschen. Interessante Metaphern und lebendige Bilder erzeugen Atmosphäre, und hier gelingt ihr wunderbar die Gratwanderung, die sich bei historischen Romanen immer ergibt: die Sprache darf nicht zu modern klingen, um das historische Ambiente nicht zu zerstören, sollte den Leser aber dennoch nicht abschrecken, indem sie zu sehr vom heutigen Sprachgebrauch abweicht.  Ich fand das hier genau richtig!
Susanne Gerdom verbindet in ihrem Buch die Geschichte des frühen 19. Jahrhunderts mit intelligent geschriebener Fantasy. Das Ergebnis ist mal ganz was anderes, mit vielschichtigen, ungewöhnlichen Charakteren! Mir gefiel sehr gut, wie nathlos die verschiedenen übernatürlichen Wesen in unsere reale Welt eingebunden werden, und wie wenig klischeehaft sie dabei beschrieben werden.
Cover 5 Sterne
Originalität 5 Sterne
Spannungsaufbau und Tempo 3,5 Sterne
Charaktere 4 Sterne
Schreibstil 4,5 Sterne
Romantik 3,5 Sterne

[ Gemeinsam Lesen ] 30. August 2016

"Gemeinsam Lesen" wird von Nadja und Steffi von den Schlunzenbüchern geleitet! Hier sind die Fragen, die es heute zu beantworten gilt:

Welches Buch liest du gerade und auf welcher Seite bist du?
Amy Ewing: "The White Rose" (Band #2 von "The Jewel")
(Ich bin bei ~39%)

"Violet Lasting ist etwas Besonderes. Sie kann durch bloße Vorstellungskraft Dinge verändern und wachsen lassen. Deshalb wird sie auserwählt, ein Leben im Juwel zu führen. Sie entkommt bitterer Armut und wird auf einer großen Auktion an die Herzogin vom See verkauft, um bei ihr zu wohnen. Eine faszinierende, prunkvolle Welt erwartet sie. Doch das neue Leben fordert ein großes Opfer von ihr: gegen ihren Willen und unter Einsatz all ihrer Kraft soll sie der Herzogin ein Kind schenken. 
Wie soll Violet in dieser Welt voller Gefahren und Palastintrigen bestehen?
Als sie sich verliebt, setzt sie nicht nur ihre eigene Freiheit aufs Spiel."
(Klappentext des ersten Bandes)

Wie lautet der erste Satz auf deiner aktuellen Seite?

"I wake up sometime in the early hours of the morning, to the sound of murmured voices."

Was willst du unbedingt aktuell zu deinem Buch loswerden? 

Der erste Band hatte mir vor einem Jahr wahnsinnig gut gefallen - aber als ich dann letzte Woche den zweiten Band anfing, musste ich feststellen, dass ich anscheinend das Meiste vergessen hatte...

Jedenfalls hatte ich erst so meine Probleme damit, wieder in die Geschichte reinzufinden - wer war das denn jetzt nochmal, und wieso ist dieses und jenes so... Aber jetzt bin ich wieder drin und die Geschichte ist sehr spannend und in meinen Augen auch originell.

Haben Autoren bei dir Star-Charakter?


Nein, überhaupt nicht. Ja, ich bewundere viele Autoren für ihr Talent und ihre harte Arbeit, aber das ist für mich nicht das Selbe! Auf diversen Buchmessen und nach Lesungen habe ich mich mit vielen Autoren und Autorinnen sehr nett unterhalten, und das war immer sehr schön, aber ich kriege jetzt kein Herzklopfen oder feuchte Hände, wenn ich einem Autoren begegne - wisst ihr, was ich meine?

Ich habe mich mal mit einer Freundin, die Musikerin ist, über das Thema "Stars" unterhalten, und sie sagte mir, dass es sie fast ein wenig verstört, wenn nach einem Konzert jemand zu ihr kommt, total zittert vor Aufregung und kaum ein Wort rausbringt... "Wir sind doch ganz normale Menschen!" Irgendwie sei das ja schön, dass man jemandem so wichtig ist, aber irgendwie auch sehr merkwürdig, weil derjenige einen ja eigentlich gar nicht persönlich kennt.

Das ist für mich der Unterschied: wenn ich einen Autor bewundere, dann bewundere ich ihn für etwas, das er tut, nämlich Schreiben. Ich bewundere zum Beispiel Gillian Flynn oder JK Rowling für ihre Bücher. Aber alles, was darüber hinausgeht, kann ich nicht wirklich beurteilen!

Nach meiner Definition ist das so: Wenn jemand für mich ein Star ist, dann himmele ich ihn als Person an, nicht nur das, was er tut - auch wenn ich eigentlich gar nicht persönlich mit ihm vertraut bin. Aber ich denke, das kommt immer darauf an, wie man das für sich definiert!

Montag, 29. August 2016

Über den Hype


Das Wort "Hype" hört man als Buchblogger oder Booktuber ständig. Meist ist es nicht unbedingt positiv gemeint, sondern degradiert das unglückliche Buch zur schnöden Massenware. Das Feuilleton rümpft die Nase, der seriöse Literaturkritiker packt es mit spitzen Fingern nicht an - oder höchstens, um es mit gepflegter Verachtung in der Luft zu zerreißen

Ob gerechtfertigt oder nicht, auf einmal wird das Buch schief angesehen. Gehaltvolles Lesefutter, oder doch eher literarische Frittenbude? Der selbstbewusste Leser schert sich nicht drum, der verschämte Leser tauscht den Schutzumschlag mit dem von Han Kangs "Die Vegetarierin".

WIE ENTSTEHT SO EIN HYPE ÜBERHAUPT?

Tja, da gibt es verschiedene Möglichkeiten. In den USA bestellen Buchhandlungen zum Beispiel - hektisch und in großen Mengen - alle Bücher, die Talkshow-Moderatorin Oprah Winfrey empfiehlt. Marcel Reich-Ranicki rief zu seinen Lebzeiten in deutschsprachigen Buchhandlungen ähnliche Reaktionen hervor. Ulkigerweise wurden dabei gerade die Bücher besonders gut verkauft, die er in seiner charakteristischen, geistreich-bissigen Art verriss!

Manchmal reicht ein einziger Nieser, um eine Epidemie auszulösen. (Oh, diese Metapher...)

Oft ist es einfach geschicktes Marketing des Verlags. Gelegentlich empfiehlt eine geliebte Autorin öffentlich die Werke einer Kollegin, mit glühender Inbrunst. Dabei handelt es sich dann um die sogenannte "Kreuzkontamination": die Übertragung eines Hypes von einem Autor auf einen anderen. Bei großem Erfolg eines Buches kann sich der Hype sogar auf das ganze Genre ausbreiten. (Siehe "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" oder "Die Tribute von Panem".)

In den letzten Jahren sind Buchblogs in gewissem Maße ebenfalls zu einer Macht geworden, die Hypes hervorrufen oder zumindest verstärken kann - was wiederum schiefe Seitenblicke des Feuilletons hervorruft oder zumindest verstärkt. Bei Buchbloggern kann das Kaufen eines gehypten Buches außerdem ein wohliges Gefühl der Kameradschaft und Zugehörigkeit mit der Community auslösen.

Egal, wo er herkommt, der Hype - auf einmal sieht man überall das gleiche Buch. Überall.

Videos, Hauls, Rezensionen, Blogtouren, Leserunden…

Ü-BER-ALL.

Hannibal Lecter sagt in "Das Schweigen der Lämmer" zu Clarice Starling: "Wir beginnen das zu begehren, was wir jeden Tag sehen!"

Ich würde ihm da nur bedingt zustimmen. Manchmal sind wir auch tödlich genervt von dem, was wir jeden Tag sehen. Aber das kommt ganz drauf an. Denn wenn der Hype eine Krankheit ist, dann eine mit vielen möglichen Symptomen und Krankheitsverläufen. (Manche Leser sind sogar komplett immun dagegen.)

ZWEI MÖGLICHE VERLÄUFE

I.)

Der ahnungslose Leser kauft das betroffene Buch vor dem Hype oder zu einer Zeit, da der Hype gerade mal zart die Fühler ausstreckt. Der Leser hat das Buch allerhöchstens ein paar Mal gesehen, in den allerersten Hauls und Buchbesprechungen - gerade genug, um sein Interesse zu wecken.

Im besten Fall liest er das Buch sofort und ist begeistert. Im weniger guten Fall liest er das Buch sofort und bereut den Kauf. Aber das Wichtigste: die Tatsache, dass es sich um ein Hype-Buch handelt, ist für ihn nahezu bedeutungslos. Er hätte das Buch wahrscheinlich sowieso gekauft und geliebt bzw. gehasst.

Gefährlich wird der Hype für diesen Leser erst dann, wenn er das Buch ungelesen liegen lässt und sich dem Erreger damit zu lange aussetzt. Nämlich solange, bis das Buch dann wirklich überall ist. In dem Fall geht es weiter wie bei Verlauf II.

II.)

Der Leser hat sich durch andauerndes Konsumieren von Buchblogs oder Booktube-Kanälen mit dem Hype infiziert und erst unter dem Einfluss des Erregers das Buch gekauft (oder das Buch nach dem Kauf zu lange liegenlassen, siehe Verlauf I).

Wenn er jetzt entschlossen genug handelt und das Buch liest, kann er das Schlimmste vielleicht noch verhindern! Das gelingt in der Regel nur dann, wenn ein tiefes, echtes Interesse an Genre und Thema besteht, aber sogar dann kann der Hype dazu führen, dass dieses Interesse immer mehr abstumpft und schließlich einer entnervten Übersättigung weicht.

Bei fortschreitender Infektion wächst mit jedem Tag die Gefahr, dass a) der Leser dauerhaft jedes Interesse an dem Buch verliert, welches dann zur sogenannten SUB-Leiche wird, oder b) es ihn nur noch enttäuschen kann, weil die Erwartungen ins Absurde übersteigert sind. Nur in den wenigsten Fällen gelingt die Heilung ohne Amputation des infizierten Buchs.

...ABER JETZT MAL SCHERZ BEISEITE. 

In meinen Augen sind Hypes für Buchblogger etwas ganz Natürliches. Denn wir sind doch alle in diesem Hobby, weil Lesen für uns eine Leidenschaft ist, über die wir uns austauschen wollen! Wenn uns ein Buch begeistert, dann brennt uns das unter den Nägeln und wir wollen am liebsten so viele Leser wie möglich davon überzeugen. Ganz normal. (Ein bisschen sind wir da wie die Borg. Widerstand ist zwecklos.)

Ob die Verlage das jetzt ausnutzen oder nicht, da kann man sich drüber streiten und das ist auch ein Thema für sich, aber Tatsache ist einfach, dass Begeisterung wiederum Begeisterung hervorruft. Es liegt in der menschlichen Natur, sich an der Meinung von Gleichgesinnten zu orientieren. Früher waren das Familienmitglieder und eine relative geringe Zahl an ausgesuchten Freunden, im Zeitalter des Internets fühlt man sich als Buchblogger schon halbwegs seelenverwandt mit jedem, der mal das Hashtag #ichliebelesen verwendet hat. Ok, ich übertreibe, aber ihr wisst, was ich meine...

Um Hypes zuverlässig zu vermeiden, müssten wir wohl unsere Passion fürs Lesen drosseln oder zumindest im stillen Kämmerlein ausleben - mit viel Selbstbeherrschung bzw. ohne Internetzugang. Und damit würden wir uns um etwas bringen, was vielen von uns viel Freude bereitet.

Aber auch wenn wir Hypes nicht verhindern können (oder wollen), können wir doch zumindest bewusster darauf achten, dass wir uns davon nicht überrollen lassen. Uns vor dem Kauf einfach mal fragen: Was genau interessiert mich eigentlich an diesem Buch? Was erwarte ich, was erhoffe ich mir davon?

Manchmal hilft es schon, wenn man nicht direkt in die Buchhandlung rennt oder auf "Kaufen" klickt, sondern es erstmal sacken lässt und abwartet, ob man in einer Woche oder sogar einem Monat immer noch Lust auf das Buch hat. Ich muss zugeben, das ist etwas, das mir selber sehr schwerfällt, denn ich bin ein impulsiver Mensch mit peinlichem Hang zum Konsumrausch. Aber ich arbeite dran.

Wie seht ihr das?